An dieser Stelle möchte ich euch die letzten Wochen ein bisschen näher bringen. Wie einige mitbekommen haben und ich in einem vorigen Beitrag bereits erwähnt habe, hatte ich das „Glück“ im September meinen Wettkampf vorzeitig beenden zu müssen. Nach 400m laufen war meine Achillessehne dick wie ein Gartenschlauch und vor lauter Schmerzen war an laufen gar nicht mehr zu denken. Selbst gehen fiel mir schwer. Der nächste Tag war zwar etwas besser, aber wirklich bewegen konnte ich mich immer noch nicht. So stand mein Entschluss fest direkt einen Facharzt aufzusuchen und meine Sehne sehr genau unter die Lupe nehmen zu lassen. Glücklicherweise konnte ich direkt am folgenden Freitag in Köln zur Mediapark Klinik, um orthopädisch und radiologisch untersucht zu werden. Das Ergebnis war eine schwere Entzündung inkl. kleinem Längsriss in der Sehne. Somit stand auch fest, dass die nächsten Wochen Laufpause angesagt war. Wie lange das dauern würde, wusste ich zu der Zeit noch nicht. Was ich jedoch wusste war, dass ich die nächsten Wochen mit intensiver Physio verbringen würde und sportlich einen großen Gang zurückschalten musste. Der erste Termin bei der Physio beschränkte sich auf Grund der Situation auch auf „Drücken, Ziehen und Kneten“ der Sehne, sowie das Abreiben mit Eis. Die Prognose des Therapeuten war leider auch relativ schlecht, so dass er mir empfahl mindestens 6 Wochen auf Lauftraining zu verzichten. Ein etwas herber Schlag, aber es sollte sich als sinnvoll herausstellen. Zu meinem Glück, stellte sich aber erster Erfolg sehr schnell ein und die Therapie ging einen Schritt weiter. Ich sollte mit exzentrischem Training – Wadensenken – beginnen und erstaunlicherweise ging dies auch ohne jeglichen Schmerz. Die Situation verbesserte sich fast täglich und alltägliche Bewegungen waren auch wieder schmerzfrei möglich. Lediglich Anlaufschmerzen nach Ruhe waren noch sehr intensiv, was auch dazu führte, dass nach mittlerweile 6 Wochen immer noch kein Lauftraining in Betracht zu ziehen war. Trotz mittlerweile angewendeter Stoßwellentherapie ging es nur schleppend voran. Auch wenn nach jeder Stoßwellenbehandlung eine deutliche Besserung auftrat. Ich weiß gar nicht genau wann ich das erste Mal morgens aufgewacht bin und ohne Schmerzen anfangen konnte zu gehen, aber plötzlich war es so. An diesem Tag hatte ich auch wieder einen Termin beim Therapeuten und besprach die Lage erneut mit ihm. Auf Basis meines Feedbacks entschlossen wir uns dazu einen Y-Balance Test durchzuführen, bei dem Bewegungs- und Stabilitätsprobleme aufgedeckt werden sollen. Bei mir waren zwar noch Abweichungen vorhanden, allerdings fielen diese in den Toleranzbereich, so dass ich mit einem ersten lockeren Läufchen am nächsten Tag starten konnte. Über Distanz und Geschwindigkeit wollen wir mal hinwegsehen, aber ich konnte Laufen. Und vor allen Dingen schmerzfrei. Ab jetzt fügte ich zu den täglichen Eisbädern des Fußes auch weitere Übungen ins Training mit ein, die die Koordination, Stabilität und Flexibilität der Sehne und der Sprunggelenke fördern. Ein befreundeter Physiotherapeut und alter Bekannter riet mir zu den Übungen, die Kelly Starrett in seinen Beiträgen sehr detailliert beschreibt (siehe auch Kelly Starrett – Achilles)

Die nächste Woche, waren es dann sogar schon zwei Läufe ohne Schmerz und nach kurzer Rücksprache stand der nächste Test auf dem Programm. Der sogenannte Hop Test (Hop Test Video). Ein Test, bei dem es darum geht festzustellen, ob sowohl Körper, als auch Geist wieder dazu in der Lage sind voll belastet zu werden. Ergebnis: Positiv. Sprich Laufen wieder möglich, mit der Einschränkung, bei auftretenden Schmerzen zurückzuschalten. Die letzte therapeutische Maßnahme bleibt für mich nun noch der Gebrauch der Faszienrolle, um das Gewebe um die Sehne herum wieder gleitfähig zu machen und weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen. Insbesondere Wadenmuskulatur und Übergang zwischen Sehne und Muskel sind durch die letzten Wochen doch etwas außer Form geraten und müssen zurück zu alter bzw. neuer Stärke.

Warum ich euch das alles erzähle? Ich möchte euch einen Rat geben. Sobald ihr merkt Probleme mit der Achillessehne zu haben, wartet bitte nicht mit dem Besuch beim Arzt und lasst die Finger von unzusammenhängenden Tipps im Netz. Diese Leute sind meist keine Spezialisten und können nur von ihrem eigenen Problemen berichten. Um genau zu wissen welche Therapie über welche Dauer anzuwenden ist solltet ihr meiner Meinung nach ärztlichen Rat einholen und genauestens untersuchen lassen, was überhaupt kaputt oder entzündet ist.

Macht keine Selbstversuche, sonst können aus 6-8 Wochen Pause auch schnell mal mehr werden. Und wer weiß was in der Zeit noch zerstört wird. Vor allem aber bleibt gesund.

Sportliche Grüße

Matthes

 

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