Immer wenn es regnet, werd ich an dich denken. An diesen einen Mittag, kann mich nicht ablenken. Nass bis auf die Haut, ja so stand ich da. CCTW im Gewitter, die Halbdistanz so nah….

Ungefähr so könnte man den Sonntag beschreiben.Den Sonntag, an dem es für mich morgens früh schon hieß:

Aufstehen, Wechselbeutel in die 2te Wechselzone bringen und mit dem Shuttle zum Fühlinger See transportieren lassen.

Was soll ich sagen, es war ein aufregender Tag. Von Beginn an. Aufgestanden im Regen und Gewitter. Bei der Anreise nach Köln, auch Regen.

Am See angekommen strahlender Sonnenschein und Schweiß am ganzen Körper – keine Angst, nur wegen der Temperaturen – .

Ich könnte ewig so weiterschreiben, was das Wetter angeht, aber die Gefahr ist zu groß, darin Ausreden zu suchen und in des Deutschen liebsten Modus zu verfallen. Der Konjunktiv mit all seinen Möglichkeiten und Abarten bietet doch so viele herrliche Facetten Gründe zu umschreiben, warum etwas nicht so funktioniert hat wie es sollte. Hätte der Hund nämlich nicht geschissen, hätte er den Hasen gefangen.

Daher möchte ich gerne bei all den Eindrücken und auch Fakten bleiben, die ich am 04.09.2016 erleben durfte.

Fangen wir von vorne an.

06:00 – Much

Wecker klingelt, klein Matthes steht tierisch aufgeregt auf und brüht sich erstmal einen Kaffee auf. Nicht, weil ich dadurch irgendeiner wahnwitzigen vorwettkampflichen Ernährungsempfehlung nachgehe, sondern einfach so, aus reiner Gewohnheit. Genauso gehört auch hier die absolut sportlichste meiner Eigenschaften dazu, die Zigarette. Danach werden die restlichen 7 Sachen gepackt und im Auto verstaut. Alles ganz gemächlich, ich habe schließlich noch einiges vor heute. Duschen, frischmachen, richtig wach werden und entspannt in Richtung Köln bewegen.

08:30 – Ankunft LVR Turm Deutz (Köln)

Erster Eindruck: Das Wetter wird besser, aber was ist das? Messe Wochenende in Köln. Geil, nen Parkplatz wirst du wohl in Deutz nicht mehr bekommen. 10 Minuten später, Glück gehabt. Parkplatz, wie immer direkt vor der „Tür“. Nur 200m zum Ziel, sowie zur 2ten Wechselzone. Da wollte ich hin. Eben schnell den Beutel an den Platz bringen und die Laufwege anschauen, damit im Rennen nichts mehr schiefgehen kann. Passt! Ab zum Shuttlebus, in Ruhe, nur keine Hektik. Noch genug Zeit bis zum Start (und es sollte noch mehr Zeit geben als geplant).

10:00 – Ankunft Fühlinger See

Strahlend blauer Himmel, Sonne. Herrlich!!! Erstmal frühstücken! Brötchen mit Marmelade, bloß nicht zu fettig und leicht verdaulich. Soll ja Leute geben, die später Probleme mit der Verdauung bekommen. Das wollte ich von Beginn an ausschließen. Sollte auch so funktionieren. Wechselzone einrichten. Schuhe am Rad befestigen, Helm zum Rad manövrieren (hierzu könnte ich noch einen separaten Blog eröffnen) und den Ablauf in T1 durchgehen. Alles mit so viel Ruhe, wie eben möglich.

10:30 – nervöses Klönen

Da sind sie endlich, all die anderen Verrückten. All jene die man shon kennt. Noch kennenlernen darf. Leidensgenossen, Supporter, Freunde und Bekannte. Ein schönes Gefühl, wenn man seine Nervosität teilen darf. Das hilft, nimmt Stress, der automatisch aufkommt, wenn man an das denkt, was noch vor einem liegt. Ganz besonders, wenn man Premiere feiern darf.

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Zur Vorbereitung auf den Wettkampf gibt es auch bei mir Routine. Gerade in den letzten Minuten vor dem Start. Hierzu gehören diverse Cremes, gegen wundscheuern, Aktivator zur Muskelerwärmung et cetera.

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Letzte Schlucke aus der Pulle, gut gefüllt mit Aminosäuren und Gel. Und dann langsam aber sicher geht es los. Neo anziehen, ich hasse dieses Ding. Als Beckenschwimmer, immer wieder gewöhnungsbedürftig, aber doch so nützlich. Wärmt so schön und das sollte heute von immenser Bedeutung werden.Wetter? Immer noch sonnig! Top!

12:15 – Schwimmstart

Wie vor jedem Wettkampf gehe ich ca. 5 Minuten vor dem eigentlichen Start ins Wasser, um noch einmal ein bisschen locker einzuschwimmen. So auch heute. Doch was ist das da oben am Himmel? Dicke, fiese dunkelschwarze Wolken. Naja erstmal zum Start schwimmen. Halt doch nicht. Blitz am Himmel. Ich glaube so schnell war ich schon lange nicht mehr aus dem Wasser. Damit sollte der Schwimmstart dann erstmal erledigt sein. Was jetzt kommt, ist nicht schön und hat doch sehr zweifeln lassen, ob ich wirklich starte.

Nass und kalt raus aus dem Wasser Richtung Regattaturm, um keine weiteren Infos zu verpassen. Das Gewitter halte sich noch, so die Lautsprecher. Man überlege den Start auf 13:00 zu verschieben. Unterstellmöglichkeiten vorhanden, zumindest bedingt, Bäume! Bei Gewitter auch nicht immer passend. Es regnet, nein es kübelt! Ich stehe immer noch im Regen, friere. Habe keine Ahnung wann und ob es weitergeht. Erneut die Lautsprecher. Um 13:00 soll noch ein Gewitter kommen, wir müssen schauen, ob wir 13:30 noch starten können, wegen der Straßensperrungen. Um mich rum eine Menge zitternder Mitstreiter. Kälte und Unlust machen sich dann doch breit. Alternativen gibt es nicht wirklich, sind doch die trockenen Sachen schon in die Stadt abtransportiert und die Räder noch vor Ort. Also weiter warten. Plötzlich geht alles ganz schnell. Wieder die Lautsprecher. Start! Jetzt! Alle Athleten werden ins Wasser gebeten. Innerhalb weniger Minuten wird aus frostiger Kälte rasender Puls und rudernde Arme im Wasser. Aber immerhin es geht dann doch los. 1.5 Stunden später als geplant. Motivation ist nicht mehr wirklich vorhanden, aber das regelt sich bei mir meistens von alleine sobald der Startschuss fällt und ich endlich schwimmen darf. So auch heute.

13:40 – Schwimmstart 2

Ich kenne dieses beklemmende Gefühl im Freiwasser mittlerweile ganz gut und weiß damit umzugehen. Vor allem hilft mir immer bis zum Startschuss den Kopf über Wasser zu halten. Das geht in Köln ganz wunderbar, sind doch Leinen gespannt auf denen man noch ein bisschen „stehen“ kann. Also noch eine Minute abwarten, dann geht’s ran an den Speck.

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Schwimmen liegt mir, da kann ich wunderbar meine Kräfte einteilen und auch von vorne wegschwimmen. Die ersten 200m ein bisschen schneller schwimmen und danach mein Tempo finden. Bis zur 1000m Marke halten und dann überlegen, ob ich noch was rausnehme, da die 90km Rad nicht einfach werden. Knappe 26 Minuten später raus aus dem See und rein in die erste Wechselzone. Noch ist es trocken. Noch!

14:05 – Rad 90km

Es regnet nicht, es regnet, es regnet nicht, es stürmt. So ungefähr die Kurzversion des Radsplits. Trotzdem läuft es gut auf der Radstrecke. Ich sitze „bequem“ auf meinem Bike und genieße die Anzeige meiner Garmin. 37.5er Schnitt auf der ersten Fahrt in die Stadt, und keinerlei Beschwerden in den Muskeln, super! Auf der Rückfahrt Richtung See, dann eine der schönsten Überraschungen an der Strecke.

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Brüllt mich tatsächlich einer von der Seite an in Niehl. Das kann nur einer sein. Und mit einer kleinen Freudenträne, dass mein Bester tatsächlich bei dem Wetter da ist, fahre ich weiter und lasse ihn wissen, dass ich noch ein paar Mal vorbeikommen werde. Ich freue mich einfach.

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Nun kommt auch wieder die Sonne raus und es macht richtig Spaß zu fahren. Es kommen zwar immer wieder heftigste Böen, die mich fast vom Rad holen, aber die Stellen merk ich mir einfach und klammer mich dann umso mehr an den Lenker. Und auf einmal sind 90km rum und die Uhr zeigt mir, dass ich voll im Plan liege. Perfekt!

16:40 – Lauf

2.5 Stunden nach dem Aufstieg, der Abstieg vom Rad. Wechselzone hinter mir lassen und warten, ob sich die Verdauung oder die Blase meldet. Nichts! Verpflegung optimal geplant. Wunderbar. Erste Laufrunde läuft super, da isser wieder. Der Mann aus Niehl. Schön, dass du da bist!!! Und dann hinter der Hohenzollernbrücke die ersten richtig Bekannten. Triathleten von Tri Cologne und die Jungs und Mädels von 3Xercise. Ihr seid Wahnsinn. Da geh ich auch durch die Verpflegungsstelle und nehme mir die Zeit euch „Hallo“ zu sagen und in Ruhe zu trinken. Aber ein Halbmarathon ist eben kein Pappenstiel und das merke ich nach guten 8km. Es wird doch merklich langsamer. Macht aber nix, noch gut dabei. Doch irgendwann will mein linkes Knie nicht mehr. Warum? Ich weiß es nicht so recht. Jedenfalls ist das linke Bein kaum mehr fähig zu laufen. Gott sei Dank nur 2km aber, danach war an schnelleres Tempo nicht mehr zu denken. Also abhaken und das Ding irgendwie ins Ziel bringen. Der innere Schweinehund hat schon mehrfach angeklopft und wollte mich überzeugen. Doch all die Leute, die da sind und dir zurufen tragen dich voran. Leiden bestimmt auch ein Stück mit und sind gleichzeitig stolz. Auch wenn ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht verstehe. Es gibt kein Aufhören, es gibt Gründe es nicht zu tun. So auch kurz vor dem Ende als eine helfende Hand isotonische Sportgetränke bereithält. Ich glaube das Label „Früh“ zu erkennen, da kann ich nicht mehr anders. Greife zu, die Zeit ist eh futsch, und genieße. Danke Peter. Das habe ich gebraucht.

Also noch ein einziges Mal die Deutzer Wendeltreppe raufklettern und ins Ziel joggen. Unterwegs treffe ich noch Annabell und rege sie zum mitlaufen an, die Arme hatte mieses Pech auf ihrer Langdistanz. Und so traben wir den letzten Kilometer über die Brücke in den Zielkanal. Gentleman, wie ich bin, lass ich der Dame das schönere Zielfoto und gehe die letzten Meter.

4:52:37!

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Ich habe es geschafft, mich überwunden, gequält, gefreut, ein bisschen geweint und vor allem gelernt.

Mache ich das nochmal? Ich denke schon. Wann? Weiß ich nicht.

Aber ich danke allen, die da waren, ohne euren Support wäre ich heimgefahren.

Auch danke ich denen, die nicht da waren, aber an mich gedacht haben.

Danke Lisa, du hast mir das ganze Jahr über Mut zugesprochen, auch wenn ich oft gezweifelt habe. Ich liebe dich!

Nächstes Jahr wird’s nicht so schlimm, verpsrochen!

 

Vielen Dank auch an Tri Pix für die genialen Bilder von euch. Klasse, dass es die auch noch kostenfrei gibt!

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