15.07.2018 ITU World Triathlon Hamburg. Mein geplantes Saisonhighlight für 2018. Seit Ende 2017 bereite ich mich auf diesen Tag vor. Mit Hilfe von Patricia Birkel, Jörg Birkel, Manuela Östreich und der ganzen Trainingstruppe. Die Saison bisher lief schon richtig gut. Mit zwei ersten Plätzen in der Landesliga Süd hatte ich die Chance mir und allen anderen zu beweisen, was dieses Jahr drin steckt im alten Beckenschwimmer. Vor allem die Entwicklungen im meiner schwächsten Disziplin überraschten mich bisher am allermeisten. Und so konnte ich auch voller Vorfreude mein Rennen beim Hamburg Triathlon auf der Olympischen Distanz planen.

Eigentlich beginnt so eine direkte Vorbereitung auf den Wettkampf bei mir erst am Vorabend. Alle Sachen zusammenpacken, Fahrrad checken, Neo auf Risse prüfen, Klamotten waschen etc. Doch vor diesem Wochenende war ich doch ein wenig nervös, so dass ich bereits Montag anfing alle erdenklichen Vorbereitungen zu treffen. Ich wollte nichts dem Zufall überlassen und war selbst ein wenig über die aufkommende Nervosität erschrocken. Aber gleichzeitig gab sie mir auch ein gutes Gefühl, denn wirklich aufgeregt war ich vor einem Triathlon das letzte Mal als ich die Halbdistanz ausprobiert hatte. Am Samstag ging es dann auch endlich los.

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Morgens um 4.30 klingelte mein Wecker, denn ich musste erst aus der Heimat zum Kölner Bahnhof kommen und plante auch hier mit der nötigen Sicherheit im Hinterkopf. Die eigentliche Zugfahrt ab Köln startete erst um 7 und sollte mich um 11 in Hamburg ankommen lassen. Am Bahnhof in Köln angekommen, war auch noch alles ruhig und so konnte ich mir noch gemütlich einen Kaffee und ein erstes Frühstück organisieren. Im Zug dann allerdings traf mich der Schlag. Bunt gekleidete Menschen mit Musik, die so gar nicht meinem Geschmack entspricht und den ersten geöffneten Bierdosen. Lauthals mitsingend – bzw gröhlend: „Dschohännä du geilä Sau“ – und schon sichtlich über der Grenze des Beschwippstseins kommunizierten sie sehr offen, dass der Schlagermove die „keilstä“ Veranstaltung überhaupt sei und wollten wissen, ob ich denn auch dorthin unterwegs war. Gewiss doch, mit dem Fahrrad und meinem Neoprenanzug. Wobei das bei den Verkleidungen auch nicht weiter aufgefallen wäre. Also blieb mir nur die Ohrstöpsel einzusetzen und einer etwas anders gearteten Musikrichtung zu lauschen. So vergingen die 4 Stunden Zugfahrt dann auch ohne weitere Erschwernisse und um ehrlich zu sein, sind mir die Ansagen im FlixTrain (an dieser Stelle ein großes Lob an dieses Konzept; Köln-Hamburg-Köln inkl Fahrrad für 69€) deutlich lieber als die trockenen der Deutschen Bahn. In Hamburg angekommen, wurde ich schon wieder überwältigt. Allerdings auf eine sehr positive Art und Weise. Was der Veranstalter da auf die Beine stellt ist wirklich der Wahnsinn. Über den ganzen Jungfernstieg und um die Binnenalster herum bis zum Rathausplatz ist alles voll mit Triathlon. Ein riesen Areal, welches bestens sortiert und übersichtlich daherkommt, mit Freiwilligen bestückt, die allesamt bis ins letzte Detail geschult sind. Hier weiß scheinbar wirklich jeder über alles Bescheid. Von daher war es auch ein leichtes in einer völlig ungewohnten und fremden Umgebung direkt die angesteuerten Ziele zu finden und binnen kürzester Zeit alle notwendigen Unterlagen für den Start am Sonntag zusammenzusammeln. Im Hotel angekommen wurde dann noch kurz alles für den frühen Start am Sonntag vorbereitet und danach direkt wieder Richtung Veranstaltungsgelände marschiert.

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Denn um 16.40 starteten die männlichen Profis auf der Sprintdistanz der WorldSeries. Es ist schon beeindruckend, wenn man sieht was die Jungs da leisten. Über die gesamte Distanz von (750m – 21km – 5km) wird da mehr als 100% gegeben, und das bei Geschwindigkeiten von stellenweise deutlich über 50km/h auf dem Rennrad und Laufzeiten von unter 3min/km. Das flößt nicht nur einen Heiden Respekt ein, mich motiviert das auch es ihnen, in meinem Rahmen liegend, gleichzutun.

Nach dem Rennen der Herren stand dann noch ein kleines Abendprogramm in Form von einem gemeinsamen Abendessen des T3AM JORGE auf dem Plan, bevor es dann um 22Uhr für mich hieß die Augen zu schließen und bis um 4.30 am nächsten Morgen zu schlafen. Von wegen. Schön wär’s gewesen. Danke Schlagermove. Den hatte ich schon ausgeblendet, aber wenn du im Bett liegst und schlafen willst können dich die abwechslungsreichen Rhythmen der Schlagermusik wundervoll vom eigentlichen Vorhaben abhalten. Ob du es willst oder nicht. Irgendwann gewöhnt man sich aber an alles und so konnte auch ich, nach einer Weile, einschlafen und die Nachtruhe zumindest kurz genießen.

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4.30 – Sonntagmorgen

kalt ist es! Und dunkel! Warum muss ich eigentlich in Startgruppe A um 6.30 starten? Warum mach ich das überhaupt? Und habt ihr mal in die Alster geschaut? Kein wirklich schönes Schwimmbecken! Egal, so langsam geht die Sonne auf als ich an der Alster ankomme. Sieht gar nicht mehr so schlimm aus. Erstmal mit dem Rad zum Check-In. Hier schon mal der erste Tagessieg. Ich bin erster. Ganz praktisch, denn mein Startblock liegt ganz vorne. Und mein Fahrrad kann ich dazu noch innerhalb des Blocks ganz vorne positionieren, so übersehe ich es sicher nicht. Was mir hierbei erstmals bewusst wird ist die Länge dieser Wechselzone. Das sind ja wirklich mindestens 500m. Zeit zum Nachdenken bleibt aber kaum, da um 6.10 Eintritt in den Warm Up Bereich vor dem Schwimmstart ist. Vorher noch die Wechselzone einrichten, in den Neo schlüpfen, aufs Dixie flitzen, Neo ausziehen, …., Neo wieder an, Startbeutel abgeben und in Richtung Schwimmstart gehen. Auch hier lege ich Wert auf einen vorderen Platz, damit ich mir eine gute Ausgangsposition zum Schwimmen sichern kann. Ich mag Gedränge im Wasser nämlich gar nicht. Da schwimme ich lieber ein paar Meter mehr, kann aber dafür mein Tempo von Anfang an schwimmen und muss mich nicht sorgen. Denn davon hatte ich während des Schwimmens ein paar wenige. Die Alster an sich sieht von außen ganz nett aus. Bist du aber einmal drin, siehst du nix. Wenn dann die Sonne auch noch tief steht, ist es auch mit der Orientierung über Wasser nicht mehr ganz so leicht. Unter den Brücken (3 müssen insgesamt unterschwommen werden) sieht man dann einfach mal gar nix! Trotzdem schaffe ich es als erster, mit gutem Polster, aus dem Wasser zu kommen, sehe aber relativ schnell, dass ich mit 19,5min deutlich hinter meinen eigentlichen Möglichkeiten zurückgeblieben bin. 10Sekunden später aber bin ich froh im Wasser nicht mehr Gas gegeben zu haben. Denn nun kommt der eigentlich schlimmste Teil am ganzen Wettkampf. Die Wechselzone an sich war schon lang. Vom Ausstieg aus dem Wasser bis zu Wechselzone sind es aber nochmal gut 250m. Bis zum Fahrrad musste ich also 750m mit Neo an den Beinen laufen. Und das ist für mich alles andere als leicht. Froh am Rad angekommen zu sein, gab es für mich nur ein Ziel auf den 40km. Schön nach Watt fahren und bloß nicht zu viel drücken, denn am Ende kommt noch der 10km Lauf. Achja und nochmal der Lauf durch die tolle Wechselzone. Der Plan ging auf, nie fuhr ich länger oberhalb des Leistungsbereichs und nur selten darunter. Selbst in den „Abfahrten“ achtete ich darauf Druck auf die Pedale zu geben und kann für mich selber sagen, dass ich stolz bin die Radstrecke in ziemlich genau einer Stunde hinter mir gelassen zu haben. Für diesen Tag hatte ich mir für das Laufen einiges vorgenommen. Hatte ich mich doch hier am deutlichsten verbessert über die Saison. Also kein Blick auf die Uhr und nach Gefühl die vorgegebene Pace laufen. In den ganzen Intervalltrainings hatte ich mir ein Gefühl für die 3:45min/km antrainiert, welches ich auch auf den ersten Kilometern wunderbar umsetzen konnte. Ab ca der Hälfte der Strecke, so mein Gefühl, wurde ich dann aber langsamer. Nicht viel aber deutlich spürbar. Und bei km 7 merkte ich dann auch das die linke Wade zwickt. Nicht schlimm, aber doch so stark, dass der Laufrhythmus futsch war. Nun galt es die letzten Kilometer noch einmal ein bisschen rauszunehmen, um sicher und trotzdem gut ins Ziel zu kommen. Mit einer Laufzeit von 39 Minuten und 52 Sekunden kann ich mehr als zufrieden sein. Zumal ich diese Zeit bei einer Olympischen Distanz noch nie gelaufen bin. Meine Gesamtzeit von 2:07:06 kann sich auch sehen lassen, ebenso wie die Platzierungen.

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Gesamt 21/2593 männlich

AK 3/450 männlich

sind Ergebnisse die ich im Vorhinein nicht erwartet hatte und mich mehr als glücklich machen.

In diesem Sinne war der Triathlon in Hamburg für mich ein voller Erfolg und lässt mich diese Woche ruhig atmen. Diese Saison steht jetzt noch ein Wettkampf fest im Kalender. Am 26.8 ist Ligastart in Krefeld über die Olympische Distanz und danach ist erstmal Schluss – vielleicht –

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Bis dahin

– stolz –

Matthes

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